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Völlig autark!

Snowy 2.0

    Acht Hintergründe, warum Snowy 2.0, eines der zehn größten Pumpspeicherkraftwerke weltweit, ein einzigartiges Projekt für Australien, Voith und das Weltklima ist.

    Der fünfte Kontinent besitzt das Potenzial, 100 Prozent seines Energiebedarfs aus regenerativen Energiequellen zu decken. Bis 2024 wollen die Australier die ersten 50 Prozent schaffen. Wie? Mit der Pumpspeichertechnologie von Voith.

    Handlungsbedarf erkannt

    Die Fakten lagen auf dem Tisch. 2018 erkannte Australien, dass etwas passieren muss, damit das ganze Land nicht plötzlich im Dunkeln sitzt. Das Problem: Durch die immensen Entfernungen auf dem knapp acht Millionen Quadratkilometer großen Kontinent, verschiedene Energiesysteme, steigenden Verbrauch und die Stilllegung von Kohlekraftwerken drohte eine unweigerliche Energiekrise. Zu dem Zeitpunkt lag nach Angaben des australischen Ministeriums für Umwelt und Energie der Anteil an erneuerbaren Energien aus Wind-, Solar- und Wasserkraft nur bei 17 Prozent der australischen Stromerzeugung. Den größten Anteil daran, nämlich 33,9 Prozent, hatte schon die Wasserkraft. Die Hälfte davon erzeugte das größte Wasserkraftwerk des Landes, „Snowy Mountains Hydro-Electric Scheme“. Doch der Löwenanteil der heutigen Stromversorgung in Australien basiert auf Kohle. Dieser Mix der Energieversorgung birgt permanent das Risiko eines instabilen Stromnetzes. Energieerzeugung und -verbrauch in Balance zu halten, wird immer schwieriger. Die Lösung heißt Pumpspeichertechnologie. Denn sie ist momentan die einzige langfristige, technisch erprobte und wirtschaftliche Form der Energiespeicherung.

    Der Klimawandel ändert alles

    Parallel zu den besorgniserregenden Analysen setzte auch ein Bewusstseinswandel der Bevölkerung und der Entscheidungsträger ein, dass der Klimawandel das Leben auf dem Erdball bedroht. Der dünn besiedelte Kontinent mit rund 25,3 Millionen Einwohnern (Stand: April 2019, Australian Bureau of Statistics) ist das sechstgrößte Land der Erde nach Russland, Kanada, China, den Vereinigten Staaten und Brasilien. Vor allem aber gehört der Staat zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Beim Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen kam er 2017 auf Platz drei. Besonders wegen des großen Rohstoffvorkommens. Durch die hohe Fördermenge fossiler Brennstoffe ist das Land von Importen dieser Bodenschätze nahezu unabhängig. Atomkraftwerke zur Stromerzeugung gibt es nicht. Aber: Der immense Anteil fossiler Brennstoffe führt zu einem hohen Ausstoß von Treibhausgasen und trägt zur globalen Erwärmung bei. Als vorletzter Industriestaat hat Australien 1997 das 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll unterschrieben, Vorläufer des Übereinkommen von Paris. Nun ist das erklärte Ziel, die großen eigenen Ressourcen nicht länger zu verschwenden, sondern schonend zu nutzen oder zu ersetzen.

    Das Übereinkommen von Paris (franz.: Accord de Paris, engl.: Paris Agreement) ist eine Vereinbarung der 197 Vertragsparteien der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) mit dem Ziel des Klimaschutzes. Das Übereinkommen wurde am 12. Dezember 2015 unterschrieben.

    Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

    Voith ist in Australien und Neuseeland seit Jahrzehnten aktiv. Mehr als 80 Mitarbeiter arbeiten in Sydney, Brisbane, Perth und Melbourne. Anfang 2018 hat Voith eine neue Niederlassung in Sydney eröffnet, um seine Präsenz in der Region weiter auszubauen. Ziel dieser neuen Dependance ist es, lokale Produzenten und Kunden schnell und flexibel mit hochwertigen Produkten und maßgeschneiderten Dienstleistungen zu bedienen. Die Vertretung im Land hilft natürlich, die geografischen Bedingungen zu verstehen, den Wasserkraftmarkt und seine (rechtlichen) Gegebenheiten zu durchschauen und die spezifischen Bedürfnisse der Auftraggeber zu erfüllen.

    Ein Superlativ

    Im April 2019 haben das Future Generation Joint Venture und Voith eine Vertrag mit Snowy Hydro Ltd. über den Bau des Snowy 2.0 Projekts unterzeichnet. Betreiber der Anlage ist die Snowy Hydro Ltd. Snowy 2.0 wird eines der zehn größten Pumpspeicherkraftwerke weltweit, ausgestattet mit elektrischen und mechanischen Kraftwerkskomponenten. Das gigantische Vorhaben: Die beiden bestehenden Staudämme des Snowy-Mountains-Systems mit den Seen Tantangara und Talbingo sollen durch unterirdische Tunnel und ein unterirdisches Kraftwerk mit Pump- und Stromerzeugungseinheiten miteinander verbunden werden. Dabei liegen sie in verschiedenen Höhenlagen und 27 Kilometer auseinander! Das ganze Kraftwerk steht fast einen Kilometer vertikal unterhalb der Bergspitze. Der Auftrag umfasst die Lieferung von sechs reversiblen Francis-Pumpturbinen. Außerdem sind sechs Motorgeneratoren, die Hilfssysteme und die komplette Kraftwerksautomatisierung im Lieferumfang enthalten. Herausforderung werden die Unwägbarkeiten sein, die man bei aller Planung, Perfektion und akribischen Berechnung immer erlebt. Komplexe Projekte dieser Art hat Voith schon bewerkstelligt. Doch in seiner Konstellation ist Snowy 2.0 einzigartig.

    Ich freue mich, dass Voith als führender Anbieter für die Ausrüstung von Wasserkraftwerken Australien zukünftig mit den nötigen elektrischen und mechanischen Komponenten für das australische Pumpspeicherkraftwerk Snowy 2.0 beliefern wird. Diese deutsch-australische Zusammenarbeit hat großes Potenzial und ebnet den Weg zu weitreichender Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen – in Australien und weltweit.
    Lynette Wood, australische Botschafterin in Deutschland

    Stabilität und Sicherheit

    Australien verfügt mittlerweile über mehr als 120 aktive Wasserkraftwerke mit einer installierten Leistung von fast 8.800 Megawatt. Die Wasserkraftressourcen des Landes konzentrieren sich weitgehend auf die Bundesstaaten Tasmanien, New South Wales (NSW) und Victoria. Das Snowy-Mountains-Wasserkraftwerk, das sowohl NSW als auch Victoria umfasst, ist Australiens größte Wasserkraftanlage. Es besteht aus 16 großen Dämmen und neun Kraftwerken mit einer Gesamtleistung von 4.100 Megawatt. Da die Investitionen in erneuerbare Energiequellen wie Wind und Solarenergie zunehmen, muss der Bedarf an Pumpspeichern als notwendiger Ausgleich für diese Quellen steigen. Schließlich sind Wind und Sonnenschein bis zu einem gewissen Grad unberechenbar.

    Das Herzstück der innovativen Pumpspeichertechnologie ist ein spezieller asynchroner Motorgenerator. Seine Drehgeschwindigkeit ist nicht fest an die Netzfrequenz gekoppelt und lässt sich variieren. Dadurch reagiert das System schneller und flexibler auf aktive und reaktive Anforderungen aus dem Stromnetz. Außerdem bietet es zusätzliche Stabilität bei einem Spannungsabfall.

    Das ist erst der Anfang

    Die australische Regierung fördert den Ausbau der Pumpspeicherung landesweit. So hat Hydro Tasmanien in Zusammenarbeit mit der Australian Renewable Energy Agency ein Konzept entwickelt für die neue Rolle, die Tasmanien auf dem australischen Strommarkt spielen soll. Geprüft werden beispielsweise der Ausbau bestehender Wasserkraftwerke und der Neubau eines weiteren Pumpspeicherkraftwerks, um den Bundesstaat zur „Battery of the Nation“ zu machen. Im Land gibt es aber mindestens 22.000 geeignete Standorte für neue Pumpspeicherkraftwerke. Australien hat damit das Potenzial, zu einem Musterland für den flächendeckenden Einsatz von erneuerbaren Energiequellen zu werden. Dazu leistet Voith mit seiner Erfahrung und seinen Wasserkraftkomponenten einen wichtigen Beitrag.

    Denn sie wissen, was sie tun

    Seit 150 Jahren bietet Voith alles, was für die effiziente und zukunftsweisende Nutzung der Wasserkraft nötig ist. Das Portfolio umfasst alle Komponenten für Groß- und Kleinwasserkraftwerke sowie für Pumpspeicherkraftwerke – von Generatoren, Turbinen, Pumpen und Automatisierungssystemen bis hin zu Ersatzteilen, Wartungs- und Schulungsservices sowie digitalen Lösungen für den gesamten Lebenszyklus der Anlagen. Bereits 1937 entwickelte Voith die erste große einstufige Pumpturbine, die sowohl als Turbine zur Energieerzeugung als auch – umgekehrt – als Pumpe arbeitete. Heute sind weltweit fast 200 Voith-Pumpturbinen mit einer Gesamtleistung von mehr als 25.000 Megawatt installiert. An eigenen Standorten in Asien, Europa, Nord- und Südamerika produzieren wir sämtliche Komponenten für die Wasserkraft selbst. Zudem forschen wir weltweit an der Stromerzeugung von morgen.

    Der lange Atem

    Das Projekt Snowy 2.0 ist der zweitgrößte Auftrag aller Voith-Zeiten und ein schönes Beispiel, dass sich Ausdauer lohnt. Fast zwei Jahre dauerte das Ausschreibungsverfahren. Eine Geduldsprobe, die sich für alle Beteiligten auszahlen wird. Vor allem fürs Klima.

    Bei Snowy haben wir eine stolze Geschichte und eine starke Vision. Snowy Hydro, aufgeladen durch Snowy 2.0, wird Australiens Zukunft mit erneuerbaren Energien unterstützen und sicherstellen, dass die Lichter für kommende Generationen anbleiben.
    Paul Broad, CEO der Snowy Hydro Ltd.

    Drei Fragen an...

      Lars Meier, Diplomingenieur, Fachrichtung Maschinenbau, Head of Sales bei Voith Hydro, der in der zweijährigen Bewerbungsphase um Snowy 2.0 ein Jahr lang mit seiner Familie in Australien lebte.

      Es ist der zweitgrößte Auftrag der Unternehmensgeschichte. Das ist beruhigend, denn wir haben sowas schon mal gemacht.
      Lars Meier, Head of Sales, Voith Hydro
       

      Was ist das Faszinierende für Sie an diesem Auftrag?

      Lars Meier: Die Dimension des Projekts ist in jeder Beziehung gigantisch, da werden bis zur Inbetriebnahme Hunderte Firmen beteiligt sein, von Straßenbau über Bergbau bis zu uns als Wasserkraftausrüster.

      Die Pumpspeicherung war für mich schon immer die Königsdisziplin im Hydrogeschäft. Außerdem begeistert mich, dass Australien das Potenzial hat 100 Prozent des eigenen Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien zu decken.

      Für Voith war wichtig, die Marktführerschaft in diesem Feld zu halten, die stark umkämpft ist. Snowy 2.0 ist eine sehr wichtige Referenz. Außerdem werden bei dem Projekt Tausende von Arbeitsplätzen bei den beteiligten Vertragspartnern geschaffen – großartig.

      Welche unserer Stärken haben überzeugt?

      Lars Meier: Unser technologisches Wissen, unsere Erfahrung, die Expertise. Vor allem aber, dass wir von Anfang an dabei waren und den Auftraggeber bei der Entwicklung des Projektes unterstützt haben. Wir spürten, dass es opportun sei, auch mit den Bauunternehmern, die den Großteil vom Gesamtetat erhalten, aktiv Kontakt aufzunehmen, um das eigene Equipment in deren Baudesign zu integrieren.

      In der Phase war mir klar, einzelne Reisen reichen nicht aus, ich muss jetzt da hin. Ich hätte mich sehr geärgert, wenn es daran gescheitert wäre. Voith hat in seiner Niederlassung in Sydney bereits die komplette Infrastruktur. Laptop und Smartphone wählen sich sofort ins globale Voith-Netzwerk ein, auch das waren Mosaiksteinchen für den Erfolg.

      175
      Std. Energiespeicherung ermöglicht das neue Kraftwerk. Damit könnten drei Millionen Häuser eine Woche lang mit Strom versorgt werden.
      Quelle: Snowy Hydro Ltd., 2019
      2.000
      MW sind genug Leistung, um 200 Millionen LED-Glühbirnen mit Strom zu versorgen.
      Quelle: Snowy Hydro Ltd., 2019
       

      Wie war das Australien-Jahr für die Familie?

      Lars Meier: Im zweiten Jahr der Angebotserstellung kamen meine Frau und die beiden Töchter nach Australien. Solch ein Schritt trägt immer auch ein gewisses Risiko in sich. Manches läuft in einer fremden Stadt einfach anders oder nicht so schnell, da sind Teenager schon mal ungeduldig. Kommt dann vielleicht Heimweh hinzu, sind die Eltern gefordert. Aber das schafft eine starke Familie, das schweißt noch enger zusammen. Wir empfinden es alle als großes Glück, dass mein Arbeitgeber Voith uns die Chance gegeben hat, in Australien zu leben. Die Unterstützung der Kollegen, die schon länger dort sind, war fantastisch.

      Leben im Ausland kannte die Familie schon, da ich 2010 bis 2015 als Chief Engineer bei Voith in den USA war. Australien hat allen gefallen, das Essen ist super, wir wohnten im Sydney Olympic Park, etwa 30 Kilometer von der Innenstadt entfernt. Die ist toll zum Sightseeing und Bummeln. Die Töchter haben Surfen gelernt. Sonntags unternahmen wir gern Küstenwanderungen und erkundeten die Umgebung. In den heißen Phasen des Projektes habe ich beinahe rund um die Uhr gearbeitet, am Telefon und per E-Mail, tagsüber mit den Australiern und abends mit den Kollegen in Heidenheim.

      Was lange währt – Snowy 2.0 im Laufe der Zeit

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