Standpunkte

Voith-Position:
Wasserkraft macht die Energiewende möglich

Die Energiewende in Deutschland

Angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima, der zunehmenden Knappheit fossiler Energieträger und des drohenden Klimawandels hat die Deutsche Bundesregierung in 2010 ein Gesetzespaket verabschiedet, dass die Wende hin zu risikoarmen, erneuerbaren und klimafreundlichen Energiequellen beschleunigt. Demnach soll im kommenden Jahrzehnt der ‚Atomausstieg’ Schritt für Schritt vollzogen werden. Weiter sollen bis 2020 mindestens 35 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen stammen, dieser Anteil soll über die folgenden Jahrzehnte kontinuierlich ansteigen. Bis 2050 soll er bei 80 Prozent liegen. Diese politischen Pläne implizieren erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit und Stabilität der Stromversorgung für deutsche Industrieunternehmen und private Haushalte.

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Versorgungssicherheit durch stärkere Nutzung fossiler und erneuerbarer Energien gewährleisten

In 2010 lieferten Kernkraftwerke noch rund 22 Prozent der deutschen Stromversorgung ─ ob Deutschland mengenmäßig auf diese Energiequelle verzichten kann, ob die entsprechenden Kosten vertretbar sind und wie sich der Verzicht auf die CO2-Emissionen auswirken wird, ist umstritten. Bisher zumindest hat die Abschaltung von acht Kernkraftwerken aber nicht zu Engpässen geführt, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass Deutschland derzeit täglich 2000 MW Strom aus französischen Kernkraftwerken importiert.

Mit dem Vollzug des Atomausstiegs bis 2022 ist nach Einschätzung von Voith die Umsetzung eines ganzen Bündels von Maßnahmen unabdingbar, um eine ausreichende Stromversorgung zu gewährleisten: Diese reichen von Stromeinsparungen über höhere Energieeffizienz bis zum Netzausbau und dem verstärkten Rückgriff auf andere Energiequellen. Mit Blick auf Letztere wird Deutschland vorerst nicht ohne den Ausbau fossiler Kraftwerken auskommen. Eine intensivere Nutzung von Kohlekraftwerken impliziert dabei natürlich höhere CO2-Emissionen, während Gaskraftwerke Deutschlands Abhängigkeit von osteuropäischen Gasimporten verstärken.

Erneuerbare Energien liefern zurzeit ungefähr 18 Prozent des deutschen Stromangebots. Langfristig sollen sie der Gesetzgebung zufolge den deutschen Energiemix dominieren. Bisher konzentriert sich der Ausbau der erneuerbaren Energien auf Windkraft und Photovoltaik. Doch bereits jetzt sind größere Anlagen umstritten. Anwohner protestieren gegen verunstaltete Landschaften und Lärm.

Um die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, wird man sowieso auf alle Formen von erneuerbaren Energien bauen müssen. Wasserkraft ist dabei bisher die einzige grundlastfähige, erneuerbare Quelle. In diesem Rahmen sollte auch die Forschung, Entwicklung und Installation neuer erneuerbarer Energien gefördert werden. Voith ist beispielsweise Pionier im Segment Meeresenergien. Die Erzeugung von Elektrizität aus Wellen oder Gezeitenströmungen ist technisch anspruchsvoll, aber mit Sicherheit lohnend: Der European Ocean Energy Association zufolge könnten Meeresenergiekraftwerke bis 2050 in Europa eine Leistung von 188 GW erbringen. Dabei ist die Erzeugung von Meeresstrom klimafreundlich: Die European Ocean Energy Association (EU-OEA) schätzt, dass sich durch die Nutzung von Meeresenergie bis 2020 rund 2,6 Mt und bis 2050 gar 140 Mt CO2 vermeiden lassen.

Jedenfalls wird die Realisierung der deutschen Energiewende umfangreiche öffentliche und private Investitionen erforderlich machen. Schätzungen im Auftrag des Deutschen Umweltministeriums gehen davon aus, dass der Ersatz von Kernkraft mit 200 Milliarden Euro zu Buche schlagen wird.

Netzstabilität durch Ausbau von (Pump-)Speicherkapazitäten sichern

Mit der Energiewende wird auch die Gewährleistung der Netzstabilität zur Herausforderung. Die Grundlast wurde bisher von fossilen oder atomaren Kraftwerken bedient, die kontinuierliche Leistung erbrachten. Im Rahmen der Energiewende sollen nun Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen diese stetig einspeisenden Kraftwerke ersetzen. In Folge wird das Stromangebot schlecht prognostizierbar und unregulierbar. Schon jetzt ist die Balance zwischen Stromangebot und -nachfrage ausgehebelt: Deutsche Windkraft- und Solaranlagen produzieren an einem sonnigen, windigen Tag mehr Strom als im ‚Mittagshoch’ verbraucht wird, weswegen Pumpspeicherkraftwerke dann Wasser nach oben pumpen, wenn sie normalerweise Elektrizität generieren würden, um Spitzenlasten abzufangen. So unterliegt das Netz schon heute derart starken Schwankungen, dass die Bundesnetzagentur 300 Mal pro Woche regulierend eingreift. Früher war dies im Schnitt nur drei Mal pro Woche notwendig.

Um erneuerbare Energien ins Netz zu integrieren, ist (Pump-)Speicherkapazität also unabdingbar. Im Vergleich mit anderen Energiespeichermethoden sprechen für Pumpspeicherkraftwerke dabei einfach die besseren Argumente: Sie sind sehr leistungsfähig, lassen sich flexibel steuern und erreichen einen hohen Wirkungsgrad. Wie wir bei Voith sagen: Kein Wind ohne Wasser!

Politische Maßnahmen zur sicheren Realisierung der Energiewende

Voith schlägt folgende Maßnahmen vor, um die deutschen Energiewende zu realisieren:

  • Quantifizierung der erforderlichen Speicherkapazitäten für Deutschland
  • Prüfung geeigneter Standorte für Pumpspeicheranlagen in Deutschland und europaweit
  • Unterstützung der Ausstattung bestehender Wasserkraftwerke mit Pumpspeichertechnologien
  • Öffentliche Förderung von Projekten zur Erschließung neuer Standorte für Pumpspeicherkraftwerke, etwa in Kavernen, Abraumhalden oder ausgekohlten Tagebauen
  • Intensivierter Ausbau der Hochspannungstrassen, insbesondere um Elektrizität aus Pumpspeicherkraftwerken in Skandinavien und der Alpenregion für deutsche Verbraucher nutzbar zu machen
  • Politische Unterstützung für Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren von Pumpspeicherkraftwerken, bsp. für das Projekt Atdorf, das für den Ausgleich von Netzengpässen in Süddeutschland entscheidend ist
  • Steigerung der Attraktivität von Investitionen in Pumpspeicherkraftwerke durch eine klare Differenzierung in der Vergütung für Grund- und Spitzenlasteinspeisung
  • Freistellung neuer Pumpspeicherkraftwerke von der Netzgebühr für die ersten 20 Betriebsjahre

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Ansprechpartner

Markus Woehl

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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